Ende und Anfang

Der Regen hing wie ein Schleier in der Luft. Mittlerweile dauerte er schon seit zwei Tagen an und es war kein Lichtblick zu erwarten. Die Wolken hingen wie eine graue Decke über dem Land und verwandelten alles in eine Sumpflandschaft. Das kleine Dorf lag in mitten dieser Sumpflandschaft auf einer kleinen Anhöhe. Die junge Frau, sie war fast noch ein Kind, taumelte, doch sie konnte sich fangen und stolperte weiter. Einige Hunde begannen zu bellen, als sie durch das Dorftor trat, doch keiner wagte sich aus seinem trockenen Versteck um die Fremde wirklich zu begrüßen. Sie war bis auf die Haut durchnässt und ihre Augen glänzten fiebrig. Das Dorf kam ihr vor wie das Paradies. Endlich hatte sie andere Menschen gefunden. Sie stolperte weiter über die aufgeweichte Straße und dann konnte sie die Kirche sehen. Hoffnung schimmerte in ihren Augen auf und sie stolperte weiter.

Es war reiner Zufall das Bruder George, gerade zu dem Zeitpunkt vor der Kirche stand und zweifelnd zum Himmel sah, als die junge Frau über den Marktplatz gestolpert kam. Erst nahm er sie gar nicht war, sie war eben so grau und unscheinbar wie der Regen und schien einfach dazuzugehören. George bemerkte sie erst, als sie ihre Beine nicht mehr trugen und sie zu Boden fiel. Er sah Schlamm spritzen und hörte ein leises wimmern. Er hörte sich nach einem der anderen Brüder rufen und lief hinaus in den Regen.

Sie merkte dass ihr Atem flach ging und auch wie alles um sie herum verschwamm. Sie durfte jetzt nicht das Bewusstsein verlieren, sie musste bis zu den Toren der Kirche gelangen. Mühsam versuchte sie sich den Befehl zu geben wieder aufzustehen, doch auch nicht ein Muskel in ihr rührte sich. Dann fühlte sie eine kühle Hand auf ihrer heißen Stirn. Einen Moment erfasste sie Panik. Abigail hatte sie gefunden. Sie stöhnte und versuchte die Hand wegzustoßen, dann hörte sie wie jemand zu ihr sprach. Sie verstand die Worte nicht und hätte auch nicht sagen können, ob die Stimme zu einem Mann oder einer Frau gehörte. Doch sie registrierte, dass die Stimme beruhigend auf sie einsprach und sie erkannte, dass es nicht Abigail war. Ein zittern ging durch ihren Körper. Sie war in Sicherheit. Sie bemerkte noch dass man sie hochhob, dann verlor sie das Bewusstsein und glitt hinüber in die Welt der Schatten.

 

Der Regen begann aufzuhören, nachdem die junge Frau in die Kirche gebracht worden war. Der Priester des Dorfes ließ sie in eines der Gästezimmer bringen und übertrug George die Aufsicht über sie. Sieben Tage und Sieben Nächte hätte er nicht sagen können ob sie es überstehen würde, sie fieberte und behielt kaum Wasser oder Nahrung bei sich. Sie erwachte zwar hin und wieder, doch in diesen Momenten war sie nie richtig klar und erkannte niemanden. Er hatte schon nach kurzer Zeit erkannt, dass sie Angst vor jemandem hatte. Jedes Mal wenn sie wieder in die Bewusstlosigkeit fiel, schien sie Alpträume zu haben. Sie wälzte sich unruhig in ihren Kissen hin und her. Offene Wunden hatte sie keine, doch ihr ganzer Körper mit Narben übersät. Trotz ihrer Jugend, George schätzte sie auf nicht mehr als 16 Jahre, schien sie schon ein hartes, gewalttätiges Leben hinter sich zu haben. Einige der Narben waren schon mehrere Jahre alt. Am morgen des achten Tages, George hatte gerade einen seiner Brüder abgelöst, schlug sie die Augen auf und sah sich das erste Mal mit klarem Blick um. Er legte ihr, mit einem beruhigenden lächeln, eine Hand auf die Stirn. Erschrocken fuhr sie bei der Berührung zurück und George hob rasch beide Hände zum Zeichen das er nichts Böses im Sinne hatte. „Keine Angst, Ihr seid hier in Sicherheit.“ Er sah Zweifel in ihrem Blick. „Ich bin Bruder George. Vor sieben Tagen kamt ihr während des Regens in das Dorf. Ihr seid nun in der Kirche.“ Er versuchte möglichst beruhigend zu klingen. „Ihr lagt bis zum heutigen Tage im Fieber. Niemand hier will Euch etwas Böses. Wir sind nur Diener Gottes.“ Das schien sie zu beruhigen. Er nickte ihr leicht zu. „Ich nehme an ihr habt Hunger. Ich werde den Koch fragen ob er noch etwas Hühnerbrühe über dem Feuer stehen hat.“ Er erhob sich langsam um sie nicht wieder zu erschrecken und ging dann rückwärts zur Tür.

Erst als er fort war beruhigte sie sich wirklich. Er hatte zwar gesagt er war ein Diener Gottes und sie konnte sich auch schwach erinnern eine Kirche gesehen zu haben, bevor sie das Bewusstsein verloren hatte, aber das ganze konnte immer noch ein Trick sein. Sie sah sich um. Das Wände des Gebäudes waren aus Stein, was schon einmal für eine Kirche sprach. Sie drehte den Kopf. Über ihrem Bett hing ein Kreuz. Auch das sprach für eine Kirche. Der ganze Raum war spartanisch eingeräumt. Ein einfaches Holzbett, ein kleiner Tisch und ein Stuhl neben ihrem Bett auf dem ein Buch lag, die Bibel wie sie annahm und eine Schüssel mit Wasser. An der Wand stand ein Holzschrank. Sie sah an sich hinab. Sie trug ein langes, weißes Leinengewand. Ihre Haut war blass und ihr Bauch rumorte vor Hunger. Sie war also wirklich längere Zeit bewusstlos gewesen. Und wenn der Mann, George, tatsächlich die Wahrheit gesagt hatte, dann hatte Abigail sie auch noch nicht gefunden.

Als die Tür aufgestoßen wurde zuckte sie erschrocken zusammen. Doch es war nur George und hinter ihm kam ein kleiner Junge, von vielleicht 8 Jahren, der ein Tablett trug. Sie roch sofort die Brühe und ihr Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Der Mönch oder was immer George auch war, wies den Jungen an, das Tablett auf den Tisch neben ihrem Bett zu stellen. Sie langte ohne weiter nachzudenken nach der Schüssel und begann zu essen. George setzte sich wieder auf den Stuhl neben ihrem Bett. „Nun es freut mich dass ihr Euren Appetit wiedergefunden habt.“ Sie hatte den Anstand zu erröten und langsamer zu essen. Die Augen des Mannes leuchteten amüsiert auf. „Macht Euch keine Gedanken. Ihr habt lange geschlafen und kaum etwas bei Euch behalten. Natürlich habt Ihr nun Hunger.“ Geduldig wartete er bis sie aufgegessen hatte und die Schüssel zur Seite stellte, dann faltete er die Hände in seinen Schoss und sah sie an. Erst jetzt nahm sie sich die Zeit ihn zu Mustern. Er trug eine weite, braune Robe und auch wenn sie seine Figur nicht wirklich erkennen konnte, so war doch klar das er keineswegs einer dieser Mönche war, die sich den Wanst vollschlugen und so rund wie groß waren. Seine Augen waren braun und sie sah dort nur reine Neugier, keinerlei Verschlagenheit oder Gier. Oder sogar Begierde, was ihr auch bei Glaubensbrüdern schon passiert war. Er hatte braune Haare, die er zu einem Zopf gebunden trug. Sie befand dass er vertrauenswürdig war. „Nun, ich hoffe Ihr habt Euch ein Bild von mir gemacht junge Frau. Ich nehme an Ihr fühlt Euch noch erschöpft. Wenn Ihr noch ein wenig ruhen wollt, lasse ich Euch jetzt allein.“ Er macht Anstalten sich zu erheben. „Nein“, ein wenig Panik lag in ihrer Stimme fand er, „ich würde jetzt gerne meine Beichte ablegen. Das kann ich doch bei Euch tun oder?“ Er nickte zustimmend und sah ihr die Erleichterung an. Eigentlich rechnete er mit einigen kleinen Dingen, wie Diebstahl oder ähnlichem, doch mit dem was sie ihm erzählen würde, hätte er auch in seinen kühnsten Träumen nicht rechnen können. Ihre Stimme war leise und ruhig und zog ihn vom ersten Wort an in ihren Bann. Hinterher überlegte er ob das nicht vielleicht auch an ihrem Beruf gelegen hatte.

 

Sie hieß Eva und geboren worden war sie vor über 15 Jahren in einem Dorf, das etwa 60 Meilen von der Kirche in der sie jetzt saß und ihre Geschichte erzählte, entfernt lag. Ihren Vater kannte sie nicht dazu hatte ihre Mutter zu viele Männer gehabt. Aber ihre Mutter hatte sie trotz allem nicht alleine groß gezogen. Ständig waren Freundinnen ihrer Mutter dagewesen und so war es gekommen, dass sie von sieben Frauen großgezogen worden war. George packte das nackte Grauen, als sie von ihrer Kindheit erzählen zu begann. Ihre Mutter war eine Anhängerin Satans gewesen, eine Hexe. Und es war für sie ganz natürlich, dass sie ihre Tochter in eben demselben Glauben aufzog. Nach ihrem fünften Geburtstag war sie langsam in die Riten der Hexenkunst eingewiesen worden. Opferungen, Zauber, Rituale.

„Es begann damit, dass meine Jungfräulichkeit dem Teufel geweiht werden sollte. Meine Mutter und ihre Freundinnen bereiteten alles vor und erwählten den Mann, der…“, ihre Stimme stockte, dann fing sie sich wieder. „Ab diesem Tag erinnere ich mich an alles. Es war eigentlich noch die harmloseste Nacht. Ich wurde Satan so jung geweiht, sagte meine Mutter, damit meine Kräfte eines Tages wirklich groß werden würden. Sie war schon hochangesehene unter allen Hexen, doch durch mich wollte sie wirklich bekannt werden.“ Evas Stimme nahm einen monotonen Klang an. „Sie lehrte mich alle Rituale die sie kannte, lehrte mich wie ich den besten Nutzen aus meinen Kräften ziehen konnte und wie ich am besten Satan anrief. Ich hasste es vom ersten Moment an. Dieses Wesen, dass sie verehrte, war Schuld daran dass mir solche Schmerzen zugefügt wurden und ich hasste es das ich meine Wahl nicht selber hatte treffen können.“ Sie sah George an und er sah die Qual in ihren Augen. „Ich habe schlimme Dinge getan. Ich habe Menschen geopfert, an ein Wesen an das ich nicht glaube, ich habe mich der Fleischeslust hingeben müssen, ich habe gelogen. Ich werde nicht mehr lange auf dieser Welt sein, ich hab das alles nicht freiwillig getan. Ich wurde von diesen Frauen dazu gezwungen und dafür hasse ich sie aus tiefstem Herzen. Sie haben mir Kräfte aufgezwungen die ich niemals haben wollte und mich so für immer zu einer Ungläubigen gemacht.“ Ein sarkastisches Lächeln huschte über ihre Züge. „Hier sitze ich und trage den Namen der ersten Frau auf Erden. Und was bin ich? Eine Hexe.“ George starrte sie an. Sie kam ihm nicht mehr wie 15 vor. Die Frau die dort vor ihm saß, schien ihm wesentlich älter und vor allem auch weiser. Die kindlichen Züge die er vorhin noch gesehen hatte waren verschwunden. Dann sah sie ihn an. „Meine Geschichte ist lang, zu lang als das ich sie jetzt ganz erzählen könnte. Meine Mutter wurde vor 10 Tagen getötet. Von einer Rivalin. Ich hatte das Glück nicht im Hause zu sein, als Abigail kam. Und als ich floh, begann der Regen. Er hat meine Spuren verwischt. Doch seitdem sind 7 Tage vergangen und Abigail hat Kräfte zur Verfügung die Ihr Euch nicht vorstellen könnt. Das ich mich auf geheiligtem Boden befinde, mag ihre Sicht kurze Zeit trüben aber nicht lange.“ George saß da und starrte sie an. Vor ihm saß eine Hexe und diese Hexe sagte ihm gerade, dass über kurz oder lang noch eine weitere hier auftauchen würde. Er stand erhob sich langsam von seinem Stuhl und begann im Zimmer auf und ab zu gehen. Wie er es immer machte, wenn er nervös war oder aber über Dinge nachdenken musste. Er spürte Evas Blick auf sich. „Abigail ist mächtig. Ich weiß ihr glaubt die Kirche kennt sich mit Hexen aus und es kann nicht so schlimm sein. Aber Hexen wie Abigail oder meine Mutter spielen nicht nur mit Kräutern um sich Männer gefügig zu machen und sie rennen auch nicht rum und sprechen laut mit Satan. Ja es stimmt, Hexen bluten zwar, aber unsere Wunden heilen sehr schnell und ja, wir können auch unter Wasser atmen. Aber alles was danach kommt, davon wisst Ihr nichts. Abigail ist eine Hexe die Dämonen beschwört und auch einsetzt. Nennt es Magie wenn Ihr wollt. Hexen wie sie und ich, wir verfügen über gewisse Kräfte. Es ist nicht so dass wir ununterbrochen darauf zugreifen können, aber wenn Abigail herausfindet wo ich mich aufhalte, dann wird sie dafür Sorge tragen, dass sie auf Ihre Kräfte zugreifen kann. Und dann wird das ganze Dorf darunter leiden.“ George starrte sie an. Er hätte ihr nicht annähernd geglaubt, hätte ihre Stimme dramatisch geklungen oder wäre sie lauter geworden. Doch sie sprach mit ruhiger Stimme. „Und was genau soll sie mit diesen Kräften machen können?“ Er schnaufte. „Magie. So ein Irrsinn. Schlaft und dann unterhalten wir uns nochmals über Eure Geschichte. Mir scheint Ihr fiebert noch.“ Er verließ die Kammer beinahe fluchtartig. Einen Moment erwog Eva ihre Kräfte einzusetzen um ihm die Wahrheit zu beweisen, doch sie war so schon schwach genug. Sie würde noch früh genug ihre Kraftreserven einsetzen müssen und so leistete sie Georges Vorschlag folge.

4.7.08 14:11

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


cyberhool (4.7.08 14:40)
finds gut geschrieben... fuer mich waere mit dem weiterlesen jedoch schluss gewesen, als zeilenlang der priester beschrieben wird, und wie "besonders" dieser ist... klingt fuer mich bereits in den ersten zeilen nach liebesanbandlungen ^^
nen dreckiger versoffener fetter moench waere mir zunaechst lieber gewesen und den dollen knilch erst spaeter eingeführt....
aaaaaber vieleicht verreckt der ja auch nun in den naechsten zeilen dann waere alles wieder gut :D

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen